Fahrzeug-Getriebeöle

Einleitung

Getriebe im Antriebsstrang von Kraftfahrzeugen sollen zwischen der Motordrehzahl und der Raddrehzahl optimale Anpassungsverhältnisse ermöglichen. Dies wird erreicht durch Schalt- oder Automatikgetriebe und Achsenantriebe. Bei längs eingebauten Motoren muss außerdem der Kraftfluss um 90° umgelenkt werden. Dies wird erreicht durch Teller- und Kegelrad im Achsgetriebe. Ausgleichsgetriebe oder Differential (in den Achsantrieb integriert) gleichen unterschiedliche Raddrehzahlen bei Kurvenfahrt aus.

Aufgaben

  • Schmierung von aufeinander gleitenden / abrollenden Teilen
  • Kühlung durch Wärmeabfuhr zum Getriebegehäuse
  • Kraftübertragung an den Zahnflanken
  • Korrosionsschutz
  • Hydraulische Steuerung der Schaltvorgänge (bei Automatikgetriebeölen)

Anforderungen an Schalt- und Achsgetriebeöle

Die Anforderungen an Getriebeöle kann man unter den Begriffen Fahrkomfort, Aggregat-Standzeit und der Berücksichtigung von Umweltaspekten zusammenfassen. Daraus ergeben sich die einzelnen Kriterien, welche für die einwandfreie Funktion eines Getriebes notwendig sind.

Anforderungen an Automatikgetriebeöle

(Automatic Transmission Fluids, ATF)
Bedingt durch ihre Verwendung stellen sich für die ATF’s ganz spezifische Anforderungen, welche sich gemäss den Spezifikationen General Motors Dexron und Ford Mercon wie folgt ableiten lassen:
  • Hohe Reibwertkonstanz über die gesamte Verweilzeit für optimales Schalten
  • Exzellente Alterungsstabilität für lange Ölwechselintervalle
  • Gutes Viskositäts-Temperatur-Verhalten, um eine einwandfreie Funktion bei heißem und kalten Zustand zu gewährleisten
  • Genügende Dichtungsverträglichkeit mit verschiedenen Elastomeren, damit diese weder quellen, schrumpfen oder verspröden

Aufbau

Als Basisflüssigkeiten können Mineralöl-Raffinate, Hydrocracköle oder Syntheseflüssigkeiten, seien es nun Polyalphaolefine oder Ester verwendet werden. In Einzelfällen gelangen auch Polyglykole zum Einsatz, die aber den großen Nachteil haben, dass sie mit den andern genannten Basisflüssigkeiten nicht mischbar sind.

Um ein genügendes Leistungsvermögen zu erzielen, müssen auch die Getriebeöle, je nach Qualitätsansprüchen, optimal additiviert werden. Der Unterschied zu den Motorenölen bei der Auswahl betrifft vor allem die Hochdruck- (Extreme-Pressure) Additive, welche in Motorenölen kaum oder nur in sehr geringen Mengen vorhanden sind. Auf der anderen Seite fehlen dafür bei den Getriebeölen die Detergent / Dispersant - Additive.
Die Viskosität eines Getriebeöles richtet sich im allgemeinen nach dem Einsatz. Die niedrigste Viskosität weisen die Automatikgetriebeöle auf (vergleichbar etwa 70W), gefolgt von den Schaltgetriebeölen, während die Hinterachsgetriebeöle bei Betriebstemperatur deutlich höher viskos sind.

Leistungsklassen

Das Leistungsvermögen von Fahrzeug-Getriebeölen wird durch die API-Klassifikation beschrieben. Die europäischen Hersteller konnten sich bisher noch nicht auf eine gemeinsame Leistungsbeschreibung einigen, und so existieren denn in diesem Bereich auch wieder verschiedene Hausspezifikationen so u.a. von Ford, MAN, Mercedes-Benz, Volkswagen, Volvo und ZF.

API-Klasse

Einsatzbedingungen

Einsatzart

Additivierung

GL-1
leicht
Gering belastete Schaltgetriebe
unlegiert
GL-2
mittel
Industriegetriebe und Schneckengetriebe
speziell
GL-3
mittel
Normal belastete Schaltgetriebe
mild EP
GL-4
mittel bis schwer
Hoch belastete Schaltgetriebe
Gering belastete Hypoidgetriebe
mäßig EP
GL-5
schwer
Hoch belastete Hypoidgetriebe
Schaltgetriebe wenn vorgeschrieben oder
zugelassen
stark EP