Sportlicher Ausblick für die Castrol Judenburg Pölstal Rallye 2010
ÖM, Division I (Automobile Grp N, + 2000 ccm, inkl. Fahrzeuge der Gruppe S2000 Automobile Grp A, - 2000 ccm, A5-A7)
Vorweg freut es uns, dass die Castrol-Rallye ein Mini-Jubiläum feiern kann. Der dritte von heuer sieben Meisterschaftsläufen geht zum insgesamt 15. Mal, zum fünften Mal in Folge im Raum Judenburg – Zeltweg über die Bühne. Die sportliche Ausgangsposition ist klar: Raimund Baumschlager hat sich mit seinen Siegen bei den ersten zwei ÖM-Läufen, im Lavanttal bzw. Pinggau, selbst in die Rolle des Gejagten manövriert. Der Staatsmeister hat mit der Castrol-Rallye noch eine Rechnung offen. Letztes Jahr hat er hier seinen ersten Matchball zum Titelgewinn vergeben. Nach einem Regelverstoß gab er freiwillig auf. Auch vor der heurigen Auflage stapelt er tief. „Besonders durch den Rundkurs in Judenburg, wo immer eine Menge Zuschauer sind, zählt die Castrol-Rallye zu den attraktivsten in Österreich. Trotzdem wäre ich mit einem Stockerlplatz schon zufrieden.“ Warum er sich nicht zu den Top-Sieganwärtern zählt, erklärt er so: „Ich fürchte, dass ich auf den langen Bergauf-Tempostücken von der Endgeschwindigkeit her mit meinem S2000-Skoda gegen die bärenstarken Mitsubishis keine Chance haben werde. Trotzdem könnte ich mit einer fehlerfreien Fahrt am Ende meine Chance haben. Mit zwei Saisonsiegen habe ich ja meine Hausaufgaben auch bisher ganz gut gemacht.“
Baumschlagers Jäger kommen in erster Linie aus dem Mitsubishi-Lager. Dass einer davon überhaupt bei der Castrol-Rallye dabei sein kann, verdankt er einer Menge Glück, aber auch dem Beweis, dass die Rallye-Autos ihren Piloten eine unglaubliche Sicherheit bieten. Nach seinem bösen Crash bei der Bosch-Rallye hat Andreas Aigner vom MCC Team sowohl seinen Mitsubishi Lancer Evo X als auch seinen Körper wieder auf Touren gebracht. Im Lavanttal kostete den PWRC-Weltmeister ein einziger Fehler den Sieg, in Judenburg startet der junge Steirer einen neuen Anlauf, um Baumschlager zu bezwingen. Obwohl er die Prüfungen rund um Judenburg nicht kennt. „Ich bin fit und voll motiviert“, sagt Aigner, der Baumschlagers Theorie von einem Kräftenachteil nicht ganz nachvollziehen kann. „Das wäre die erste Rallye, wo ich dabei bin, wo ein S2000 keinen Vorteil gegenüber einem Gruppe-N-Auto hätte.“
Patrick Winter hantelt sich in Ermangelung ständiger Geldgeber von Rallye zu Rallye und vermag trotzdem immer zu überzeugen. Der 23-jährige Oberösterreicher zählt zu den Wildesten und Talentiertesten im Zirkus. Mit Platz drei zum Saisonauftakt und Rang zwei zuletzt in Pinggau hat er dies eindrucksvoll bestätigt. In Judenburg steht Winter wie zum Saisonstart mit einem Mitsubishi Evo IX des ungarischen Dynamic Rallyeteams am Start. Castrol sprang diesmal als Hauptsponsor ein. „Dafür bin ich sehr dankbar“, erklärt Winter, der sich mit einem weiteren Podestplatz erkenntlich zeigen möchte. „Und natürlich will ich durch eine neuerliche Top-3-Platzierung Werbung für mich machen, denn nach der Castrol beginnt sofort die mühsame Suche nach einem Sponsor für den nächsten Lauf.“
Ebenfalls im Mitsubishi Evo IX, allerdings mit weit stabilerem finanziellen Background, ist heuer Beppo Harrach in die Meisterschaft gestartet. In Kärnten schrammte er knapp am Podest vorbei, bei der Bosch-Rallye kostete ihn ein Turbolader-Problem knapp vor Schluss den bereits sicher scheinenden zweiten Platz. „Ich bin aber trotzdem glücklich, weil wir gesehen haben, dass wir den Abstand zur Spitze, der zum Saisonauftakt noch relativ groß war, zuletzt um einiges verringern konnten.“ In der Meisterschaft liegt der Brucker auf dem dritten Gesamtrang. An die Castrol-Rallye hat er nur gute Erinnerungen: „Jedes Mal wenn ich dabei war, bin ich in meiner Wertung auf dem Stockerl gestanden.“ 2004 hat er sie sogar gewonnen. „Da sind wir aber noch in Althofen in Kärnten gefahren.“
Noch nicht ganz so rund läuft es im VW-Lager für Andreas Waldherr. Dementsprechend heiß wäre der Polo-S2000-Pilot bei der Castrol-Rallye auf einen Spitzenplatz. „Die Entwicklung des neuen Polo S2000 liegt ganz allein bei uns in Österreich“, sagt Waldherr, „und da hab' ich leider bisher kein glückliches Händchen bewiesen. Das Setup passt einfach noch nicht. Aber für die Castrol-Rallye haben wir ein neues Fahrwerk bekommen. Mal sehen, wie's damit ausschaut. Günstig wäre für uns sicher Regen, da sind wir an den Mitsubishis dran. Mit Raimunds Skoda, so ehrlich muss man sein, ist unser Auto kräftemäßig nicht vergleichbar.“
In dieselbe Kerbe schlägt Manfred Stohl, dessen Erdgas-S2000-Peugeot ebenfalls seine Power noch nicht ganz ausspielen konnte. In Judenburg ist Stohl wieder mit seinem Original-Auto und seiner WM-erfahrenen Copilotin Ilka Minor unterwegs. Zuletzt in Pinggau musste er auf einen geborgten Boliden aus Polen zurückgreifen, weil sein Peugeot beim IRC-Lauf auf Gran Canaria im Kunden-Einsatz war. Ilka Minor war beim WM-Lauf Neuseeland engagiert und wurde bei der Bosch-Rallye von der fehlerfreien Tina Maria-Monego ersetzt. Fehlerfrei war auch Stohl unterwegs: „Das Auto hat sich gut angefühlt, und auch ich habe mich gut gefühlt. Trotzdem waren wir nicht an der Spitze dran. Deshalb haben wir viel zum Analysieren gehabt. Ich denke aber, wir haben einiges gefunden, das uns optimistisch stimmt.“
Im Kampf um die Top-10 im Gesamtklassement der Castrol-Rallye sind eine Reihe von Piloten zu nennen. Der Wiener Mario Saibel im Mitsubishi Lancer Evo X ist das zweite heiße Eisen des MCC Teams. Der St. Pöltner Reinhard Pasteiner im Bioethanol Mitsubishi Lancer Evo IX holte zuletzt mit Platz acht sein bestes Karriere-Ergebnis in seiner erst zweiten Rallye-Saison. Und Routinier Willi Stengg, aus dessen Schmiede auch Pasteiners Gefährt kommt, machte im Subaru Impreza WRX bislang durchaus gute Figur. Ebenso wie der Niederösterreicher Gerwald Grössing im Mitsubishi Evo IX, zuletzt Siebenter sowohl in Wolfsberg als auch in Pinggau. Beachtenswert ist sicher auch die Startnummer 23. Ex-Rallyecross-Staatsmeister und Vize-Europameister (1982) Walter Mayer kommt mit einem Mitsubishi Evo IX heuer zu jenem Einsatz, den ihm Castrol eigentlich schon im Vorjahr ermöglichen wollte. Damals machte ihm jedoch ein Reitunfall einen Strich durch die Rechnung. An Mayers Seite sitzt mit Harald Gottlieb ebenfalls ein motorsportliches Urgestein.
ÖM, 2WD (Zweirad getriebene Automobile der Division II, III und IV)
Ein Blick auf die Gesamtwertung sagt alles. Die 1600er von Suzuki beherrschen die Konkurrenz. Hermann Neubauer ließ seinem Sieg im Lavanttal einen zweiten Rang in Pinggau folgen. Geschlagen wurde er im Wechselgebiet lediglich von seinem Stallkollegen Mario Klammer. Doch die Mitstreiter schlafen nicht. Das neu zusammengesetzte niederösterreichische Duo Willi Rabl/Uschi Breineßl aus dem Rennstall Eddy Schlager ist im Renault Clio rasant unterwegs, Michael Böhm hält seinen Fiat Abarth 500 tapfer im Spiel, und Hannes Danzinger zeigte nach einer Nullnummer zum Saisonauftakt mit Platz drei zuletzt auf, dass auch er jederzeit in der Lage ist, seinen Ford Fiesta R2B bei der Castrol ganz vorne zu platzieren. Und wenn die VW-Piloten Michael Kogler und Daniel Wollinger ihre Sciroccos ins Ziel bringen, stehen sie als Garanten für Spitzenplätze sowieso hoch im Kurs.ÖM, Div III: (Fahrzeuge der Gruppen N1 bis N3)
In der Division III kommt Klemens Haingartner im Suzuki Swift als Führender nach Judenburg. Weil der Sieger des Auftaktlaufs in Wolfsberg, der Slowene Marko Jeram, zuletzt nicht dabei war und auch diesmal fehlt, der Sieger von Pinggau, Raffael Sulzinger, hingegen in Kärnten nicht punkten konnte, steht der steirische Lokalmatador bislang als lachender Dritter auf Platz eins. Das momentane Suzuki-Hoch in der Division III komplettiert der Niederösterreicher Wolfgang Werner. Er hält seinen Swift auf dem zweiten Gesamtrang.ÖM Div. IV (Dieselfahrzeuge)
Auf Revanche stehen die Zeichen bei der Castrol Judenburg-Pölstal-Rallye in der Diesel-Klasse. Der Waldviertler Christian Mrlik im vierradgetriebenen Subaru Impreza hält zur großen Überraschung die zwischenzeitliche Gesamtführung. Zum Favoritenkreis zählen hier freilich weiterhin - wie auch in der 2WD-Wertung - die VW-Piloten Michael Kogler und Daniel Wollinger. Das Scirocco-Duo war bei Mrliks Sieg zuletzt in der Steiermark vom Pech verfolgt. Kogler fiel klar vorne liegend schon am ersten Tag aus, weil sich die Diebstahlsperre seines Boliden plötzlich von selbst aktivierte und so das Starten des Motors verhinderte. Und Wollinger, der dadurch kurzfristig die Führung erbte, verlor durch einen erzwungenen Getriebewechsel mehr als zwei Minuten.ÖM Div. V (Fahrzeuge der Gruppe H/A und H/N)
Als eine klare Mitsubishi-Angelegenheit präsentiert sich bislang die Division V in der heimischen Meisterschaft. Vier Lancer unter den ersten Fünf in der Gesamtwertung sprechen nach zwei Bewerben eine deutliche Sprache. Einzig der Niederösterreicher Christian Maier auf Platz vier stört mit seinem VW Golf GTI die Idylle der Japaner von Philipp Lietz, Eugen Friedl, Alfred Kramer und Thomas Werner.Historic Rallye Staatsmeisterschaft:
Eine Änderung nahm die OSK bei den Historischen vor. Bei der Castrol-Rallye werden die bei den Fans beliebten „Altzeitler“ nicht mehr wie sonst in der heurigen Saison vor dem Hauptfeld ins Rennen gehen, sondern wieder wie im letzten Jahr in dieses eingegliedert. Auf den sportlichen Ausblick freilich hat dies keine Auswirkung. Sepp Pointinger (Ford Escort), der in Pinggau aufgrund eines Stempelfehlers des vermeintlichen Siegers Karl Wagner (Porsche) den ersten Platz zugesprochen bekam, ist in Judenburg der große Gejagte. Besonders Kris Rosenberger, der im Pölstal wieder auf die Kommandos seiner zuletzt an Manfred Stohl verborgte Stamm-Copilotin Tina-Maria Monego zurückgreifen kann, ist heiß auf den angestammten Platz als Sieganwärter. Beim letzten Lauf musste er seinen Porsche 911 mit technischem Defekt abstellen.Suzuki Motorsport Cup:
Die Bosch Super Plus Rallye vor vier Wochen in Pingau in der Steiermark sah einen grandiosen Zweikampf um den Sieg. Der Deutsche Neueinsteiger Manuel Kößler bewies den heimischen Swiftpiloten, dass man in unserem Nachbarland auch recht schnell unterwegs ist. Klemens Haingartner bot dem Deutschen zunächst härtesten Widerstand, musste sich aber am Ende doch mit 17,3 Sekunden Rückstand, geschlagen geben. Auch Wolfgang Werner hatte gegen dieses Duo keine Chance. Bei der Castrol Rallye hat nun Klemens Haingartner heftige Revanchegelüste. Dazu kommt, dass die Castrol Rallye vor der Haustüre des Steirers vorbeifährt, damit hat er auch echten Heimvorteil. Aber auch Wolfgang Werner möchte diesmal dem Duo wesentlich mehr zusetzen, als zuletzt in Pingau. Kurt Ruhringer, Alexander Schiessling und Peter Schauberger werden mit viel Einsatz versuchen, bei der Castrol Rallye ihre Leistungen zu steigern und unter die besten Drei zu kommen. Victoria Schneider wird wieder mit Engagement ihre Performance zu verbessern wissen. Dominik Riedmayer wechselt vom Beifahrersitz auf den Fahrersitz und feiert bei dieser Rallye seine Premiere als Pilot. Abgerundet wird das Feld von Johannes Maderthaner und Rene Rieder, die ihre bisherigen Leistungen steigern möchten.Mitropa Cup:
Die Castrol Judenburg-Pölstal Rallye ist auch die vierte Station des Mitropa-Cups 2010, und Mitsubishi-Evo-X-Pilot Hermann Gassner, wurde dort bisher seiner Favoritenrolle gerecht. Als harte Mitstreiter des führenden Deutschen präsentierten sich mit Peter Schuhmacher (Subaru Impreza WRX) und Dr. Christian Nitsche (Citroen C2) er¬freulicherweise zwei Österreicher. Die größte Überraschung aber kommt aus Slo¬wenien. Das Damenteam Asja Zupanc/Tadja Turk gab nämlich bisher mächtig Gas.Bestätigungshinweis
Quelle: Sportpressedienst - Andreas Walk, Armin Holenia, Martin Meyer, Patrick Schützl
Irrtümer und Änderungen vorbehalten.
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