FORD WORLD RALLYE TEAM
Über 40 WM-Siege, zwei Fahrer- und ein Markentitel …
Ford hat den Rallyesport geprägt wie kaum eine andere Marke. Der Automobil-Konzern hat über 40 WM-Siege erkämpft, zwei Fahrer- und einen Markentitel. Damit ist Ford ein Synonym für den Rallye-Sport geworden. Ein Mann steht in der Verantwortung, diese große Tradition nicht nur fortzusetzen, sondern ihr auch neue Akzente zu geben: Malcolm Wilson, der Chef des Ford-Einsatzteams M-Sport.
Dem Briten sind Siege längst nicht mehr genug. Er will wieder einen Titel für Ford gewinnen. Der vorerst letzte datiert immerhin aus dem Jahr 1981. „Fragen sie meine Familie“, scherzt er gerne, „sie wird bestätigen, dass mir das über alles geht. Und dass ich an nichts anderes denken kann, bevor diese Aufgabe erledigt ist.“
Ungeachtet der neuerlichen Meister-Ambitionen hat Ford im Rallye-Sport ganz klein angefangen. Anfang der 1960er-Jahre wollte der Weltkonzern neben seinen Erfolgen mit Formel-Rennwagen ein weiteres Standbein schaffen – mit Autos, die Serienmodellen ähnelten. So startete Formel-1-Ass Jim Clark mit einem Ford Lotus Cortina in der Britischen Tourenwagen Meisterschaft. Und Ford stieg in den Rallye-Sport ein.
Der erste „Quertreiber“ von Ford war 1968 ein Escort mit Doppel-Nockenwellen-Motor. Der Name Escort sollte 30 Jahre Bestand haben in der Rallye-Szene. Auf den „Twin-Cam“-Escort folgten mit den Modellen RS1600 und RS1800 die ersten speziell gebauten Rallye-Boliden von Ford. Erfolge ließen nicht lange auf sich warten: 1979 wurde Björn Waldegaard Fahrer-Weltmeister, Ford sicherte sich die Marken-Krone – schon damals mit Castrol als Partner. 1981 errang Ari Vatanen den Fahrer-Titel.
Viele weitere Siege folgten, aber trotz zahlreicher Triumphe blieb dem Escort ein weiterer Titel verwehrt. 1998 bestritt der Escort beim WM-Lauf in Wales seinen letzten Werkseinsatz – aber noch heute setzen Privatiers den schnellen Allradler ein. 1999 begrüßte die Rallye-Szene den Ford Focus.
Malcolm Wilson hat den Generationswechsel begleitet. Als Aktiver feierte er in den 1980er- und 1990er-Jahren ebenso Erfolge - unter anderem wurde er 1994 Britischer Rallye-Meister – wie als Manager seines eigenen Teams. Der Durchbruch des Rennstall ereignete sich 1996, als Jarmo Kytolehto in einem von Wilson-Motorsport vorbereiteten Escort Dritter wurde – noch vor den Werks-Ford. So wurde Wilson 1997 die Aufgabe übertragen, sich um die Werksautos zu kümmern. Zwei Jahre später wurde im Team-Stammsitz in Dovenby Hall der Focus RS WRC auf die Räder gestellt.
Das neue Auto enttäuschte die hohen Erwartungen nicht. Bereits beim zweiten Einsatz fuhr der Schwede Thomas Radström bei seinem Heimspiel auf das Podium, Teamkollege Colin McRae gewann sogar die beiden nächsten Läufe – darunter die legendäre Safari-Rallye. Wilson erinnert sich an diesen besonderen Augenblick: "Dort gleich beim ersten Afrika-Einsatz des neuen Autos zu gewinnen, war einfach großartig. Insbesondere, wenn man bedenkt, unter welchem Zeitdruck der Focus aufgebaut wurde. Wir hatten vor dem Saisonbeginn in Monte Carlo kaum Zeit zu testen. Wir haben Weihnachten 24 Stunden rund um die Uhr geschuftet, um überhaupt zwei Autos an den Start bringen zu können. Als Colin McRae dann die erste Bestzeit fuhr, hatte ich Tränen in den Augen. Nach dem Safari-Sieg schüttelten mir die anderen Teamchefs anerkennend die Hand. Einige sagten, sie würden das seit Jahren erfolglos versuchen, aber wir kämen hier nach nur zwei Wochen Schotter-Tests an und schafften den großen Wurf – unglaublich.“
Im Jahr 2000 feierte McRae weitere zwei Sieg. Sein neuer Teamkollege, Doppel-Weltmeister Carlos Sainz, steuerte einen weiteren Triumph bei. Aber es gab auch Probleme mit der Zuverlässigkeit der Autos. So unterlag Ford in der Markenwertung Peugeot mit 20 Punkten Rückstand. Sainz und McRae belegten die Plätze drei und vier in der Fahrerwertung.
Auch 2001 musste sich Ford dem Rivalen Peugeot um 20 Punkte geschlagen geben – obwohl McRae mit dem Focus drei weitere Male gewann. Zum echten Krimi entwickelte sich der Kampf um die Fahrer-Krone. Gleich vier Fahrer hatten beim Finale noch Chancen auf die Thronbesteigung, darunter das Ford-Duo Sainz und McRae. Doch dass das Glück nicht auf der Seite der Focus-Piloten stand, wurde schnell deutlich: Schon auf der dritten Prüfung überschlug sich McRae mit 160 km/h und schied aus.
2002 verstärkte der junge Este Markko Märtin als dritter Fahrer die Ford-Werksmannschaft. Dennoch blieben die Titel-Wünsche unerfüllt. Sainz, McRae und Märtin belegten die Plätze drei, vier und neun in der Fahrer-Wertung, bei den Herstellern musste sich Ford einmal mehr Peugeot beugen.
Nach drei Jahren als “Vize” präsentierte M-Sport 2003 einen neu entwickelten Focus, der in den Farben von Castrol und auch BP lackiert war. Auch im Fahrerkader tat sich einiges. McRae und Sainz wechselten zu Citroën, Märtin war somit die neue Nummer eins. Mit zwei Siegen erfüllte der Este die Erwartungen. In der Hersteller-Wertung eroberte Ford im Jahr des Umbruch einen respektablen vierten Platz. Der neue Focus erwies sich im Laufe des Jahres des Öfteren als schnellstes Auto. Das galt auch für die Saison 2004, in der Ford mit einem Doppelsieg in Mexiko frühzeitig ein Ausrufezeichen setzte. Aber auch auf Asphalt erwies sich der Focus als echter Siegertyp. Märtin gewann sowohl auf Korsika als auch in Spanien.
Im November 2004 verkündete Ford, dass sich der Autokonzern bis 2008 in der Rallye-WM engagieren werde - als primäre Motorsport-Aktivität der Marke. Mit dieser Sicherheit im Rücken konnte sich M-Sport 2005 drauf konzentrieren, der Erfolgsgeschichte von Ford neue Kapitel hinzuzufügen. Und das tat man auch: Ford wurde der erste Hersteller, der bei 50 Rallyes in Folge punktete. Bis zum Saisonende erhöhte sich die Zahl sogar auf 60. Ford war das einzige Team, das 2005 bei allen 16 Läufen punktete. Toni Gardemeister und Roman Kresta profitierten dabei einmal mehr von der Leistungsfähigkeit des Focus. Gardemeister belegte in Monte Carlo, Griechenland und Frankreich jeweils Platz zwei und trug so großen Anteil am dritten Platz des Castrol Partners in der Herstellerwertung. Dieses Resultat ist umso beachtlicher, da Ford sich bereits auf die Entwicklung des neuen WRC auf Basis der zweiten Focus-Generation konzentrierte. Dieses unter der Leitung von Christian Loriaux entstandene Auto debütierte beim Saisonfinale 2005 in Australien und markierte auf Anhieb zwei Prüfungsbestzeiten. Die beiden ersten Einsätze in der Saison 2006 endeten sogar mit einem Sieg.
